Die Weihnachtsgedichte..

Weihnachten in Treuen III (Adventskalender-Gedicht 2017)

Hoch im Norden weckt die Uhr
streng und schrill die Hauptfigur
des Festtags kurz vorm Jahres-End
den man als Heiligabend kennt

Drei Wochen früher als gewöhnlich
erwacht der Weihnachtsmann persönlich
denn dieses Jahr – so fällt ihm ein
soll alles ja ganz anders sein

Es reicht nicht mehr, nur zu beschenken
es ist auch vorher zu bedenken
was wünscht der Mensch, was ist ihm nütze
braucht man die dritte Pudelmütze

Zwei Dutzend Socken, Schnellkochtöpfe
den Bauch-weg-Trainer, falsche Zöpfe
ein aufblasbares Kruzifix
oder einen Thermomix

Im Schulungsplan für dieses Jahr
stand ein Bescherungs-Seminar
in Mittelding – man kennt das schon
aus Vorschule und Zelt-Mission

Im Mittelpunkt steht der Beschenkte
und alles was sein Glück beschränkte
sei fortan von ihm fernzuhalten
so lehrte man den guten Alten

Nun muss er diesmal eher fort
zum Ausflug in den Treba-Ort
bricht zügig auf zur Treuener Flur
zum Zweck der Wünsche-Inventur

Der Stift ist spitz und dick der Block
der Alte schwingt sich auf den Bock
es peitscht die Peitsche nur ganz leise
schon geht die Gruppe auf die Reise

Die Meilen sind recht schnell gemacht
die Stadt wacht auf, es geht auf Acht
man klappt wie jeden Morgen munter
erstmal den Gehsteig wieder runter

Den Sinkflug schräg aus Richtung Polen
muss er noch einmal wiederholen
weil Kraftfahrzeuge aller Marken
des Nordens Straße dicht beparken

doch dann gelingt es: Herr und Herde
gelangen auf die Treuener Erde
nur weil der Haushalt gerade schmal
fehlt etwas Bodenpersonal

Der Weihnachtsmann holt dankbar Atem
weil ihm die Landung gut geraten
er klopft die Tiere, prüft den Schlitten
da kommt ein Herr hinzu geschritten

Sie grüßen sich schon fast jovial
es ist ja nicht das erste Mal
dass man sich trifft an der Laterne
Herr Forner mag den Dicken gerne

Er sei früh dran, noch vorm Advent
wenn man die Rituale kennt
hätt das Bescheren doch noch Zeit
doziert Herr Forner hilfsbereit

Der Alte bittet um Vergebung
er sei gezwungen zur Erhebung
der Wünsche aller hier in Treuen
dass sie sich dies Jahr noch mehr freuen

„Aha!“ meint da der Ingenieur
er denkt sofort an ein Malheur
das aller Wassersportler Schrecken
und wünscht sich dann ein neues Becken

Das freie Bad im Treba-Grund
sei leider nicht mehr ganz gesund
und verlör in letzter Zeit
dramatisch viel an Flüssigkeit

Des Alten Herz entfällt ein Stein
der dachte nämlich insgeheim
schon seit dem letzten Jahr betroffen
die Herde hätt es ausgesoffen

„Nein-nein!“ spricht schnell Bau-Gelehrte
der Boden hatte schlechte Werte
gab nach und leerte das Bassin
das wurde für den Haushalt eng

Egal wohin, Hauptsache dicht
so wichtig sei am Ende nicht
wo Treuen sich die Schwarte kühle
doch respektiere er Gefühle

Für diesen Platz im Treba-Tal
und wär jetzt auch für Edelstahl
All das notiert der gute Alte
auf dass er die Details behalte

und nicht am falschen Ort entstehe
wo Treuen am Ende baden gehe
Sie trennen sich, denn die Geschäfte
erfordern jetzt die Einsatzkräfte

Der Weihnachtsmann sieht einen Schlot
darinnen schmort ein Pizzabrot
hier tritt er ein und will es wagen
die Herrn nach einem Wunsch zu fragen

doch ist das Team von Pepe schneller
und plötzlich steht ein Dönerteller
mit scharfer Soße auf dem Tresen
der Weihnachtsmann macht erstmal Spesen

dann zieht er weiter satt und leise
sucht bei der Sommer-Sonnen-Reise
die Herzenswünsche auszuloten
am Ende bucht er die Lofoten

Im Sanitätshaus läuft es ähnlich
denn die Recherche mündet nämlich
in nagelneue Kniebandagen
für das Erklimmen von Etagen

der Sportpalast ist leider leer
er zieht den Schlitten wieder quer
und forscht, ob er im Buchvertrieb
erkunden kann, was jenen lieb

Man plaudert kurz, er liest sich fest
kauft dann ein Buch von Warentest
zwei Karten für die Jakobs-Wege
ein Standardwerk der Rentier-Pflege

gleich nebenan bei den Tabletten
ist ebenfalls nicht viel zu retten
von seinem Plan mit der Erhebung
doch sorgt man hier für die Belebung

an seinem Geist und den Geweben
weil sie ihm dort ein Schnäpschen geben
da er auf seinem Schlitten friere
vom Unterleib bis an die Niere

erwirbt er für die Fahrt im Schnee
ein Monatspäckchen Blasentee
und weil die Tiere so viel steh´n
mischt man zwei Eimer Hornhautcreme

So geht es weiter durch die Stadt
obwohl er einen Auftrag hat
wird er statt seiner Fragen bloß
sein Weihnachtsgeld heut selber los

Ob Reißverschlüsse, Briefpapier,
er zieht durch alle Läden hier
bei Kristin hält er zweimal an
und holt noch einen Bastelplan

Im Media-Eck – man kennt sich schon
empfiehlt man ihm ein Telefon
mit einer Nordeuropa-Flat
und superschnellem Internet

Weil es bei ihm daheim so cool
ein Fritz-Smart-Home mit Heizmodul
entschiede er gleich jetzt und hier
gäb´s noch ein Feierabendbier

Wie er seit Jahr´n – man hebt die Hände
nur all die tausend Schlote fände
ganz ohne Strom und GPS
da schlägt er zu – sie ahnen es

Der Schlitten knarrt, die Tiere schwitzen
er steckt und stapelt, stopft in Ritzen
ein Dutzend Schaschlik, 6 Pfund Hack
beim Fleischer platzt ihm fast der Sack

Filzschuh, Spritzgebäck und Brillen
muss er schon in den Mantel füllen
zu guter Letzt im Vaterland
gibt’s Pralinees mit Rum-Krokant

Am Ende ist nichts mehr zu kaufen
und er sieht ein, das ist gelaufen
den Meinungstest mit Fragebogen
hat er schon längst zurückgezogen

Und dennoch ist er guten Mutes
der Raubzug hat durchaus sein Gutes
was auf dem Schlitten festgemacht
reicht locker für die stille Nacht

So muss er gar nichts mehr besorgen
und steckt schon ab dem nächsten Morgen
mit Kopf und Bart ganz tief Kissen
und schnarcht mit seligem Gewissen

Nach tiefem Schlaf, drei Wochen später
beschenkt der Überzeugungstäter
die ganze Stadt mit ihren Waren
es wird das schönste Fest seit Jahren…

PS:

Alle Gaben zugestellt
leicht gebissen, oft verbellt
manchmal gar nicht reingebeten
ein- zweimal sogar getreten
hat man ihn den alten Herrn
doch er macht es trotzdem gern

Weil es hier und überall
sicher nicht der Regelfall
dass man nur sich selber liebt
und wenn´s was zu holen gibt

Weil nur zählt was wir uns geben
wie wir miteinander leben
was wir miteinander teilen
das bedeuten diese Zeilen

Wir wünschen Euch ein frohes Fest
dass sich die Liebe teilen lässt
und ich weiß Gott sei Dank zum Glück
der Weihnachtsmann kommt gern zurück…

Viele liebe Grüße, happy Advent!
Christoph Krumbiegel

Weihnachten in Treuen II (Adventskalender-Gedicht 2016)

Im Vogtland naht die stille Nacht
und unser Held in Weihnachtstracht
er teilt den Dunst der tiefen Wolken
um einer Autobahn zu folgen

Herde, alter Mann und Schlitten
sind vom Norden hergeritten
und nun sucht des Dicken Blick
seinen Orientierungs-Trick

Denn er hat sich eingetragen
dort wo drei Windkraftanlagen
sich am Saum der Straße drehen
muss es links nach Treuen gehen

Viel zu spät für Mensch und Tier
merken sie: Es sind jetzt vier
denn bei diesem Schreck-Gedanken
steht die Truppe kurz vor Franken

Und so führt die Subvention
für den schicken Windkraftstrom
fast zum Ausfall der Geschenke
oberhalb der Treba-Senke

Doch er wendet Schar und Kufen
denn er wurde herberufen
um dem Städtchen das zu bringen
was die Engel zart besingen

Wie gehabt peilt er die Post
dann aus Richtung Nord-Nord-Ost
und sieht schon aus weiter Ferne
eine prächtige Laterne

Daran knüpft er die Geschirre
damit keins der Tiere irre
und beschwipst die Stadt durchquert
so wie sich´s gerade jährt

Und kaum dass er die Knoten schlingt
da wird der Dicke schon umringt
von Kind und Kegel dieser Stadt
weil man ihn längst erwartet hat

Die Horde prüft des Schlittens Lack
und nestelt ohne Scheu am Sack
sie zerrt an allem was da hängt
bald fühlt der Alte sich bedrängt

Der Hausherr erst vom Postgebäude
bringt wieder Anstand in die Meute
und füllt mit wohldosierter Strenge
Verständnis in die Menschenmenge

Bis alle schließlich weitergehen
die Hauptdarsteller bleiben stehen
und seh´n den Leuten hinterher
der Dicke und der Ingenieur

Der Weihnachtsmann nimmt Forners Hand
und zeigt den aktuellen Stand
der intensiven Schlitten-Pflege
die Werkstatt- und die Kaufbelege

Herr Forner nickt und ist verzückt
als er des Fahrzeugs Glanz erblickt
der Weihnachtsmann sieht das sehr gerne
und lobt die neue Platz-Laterne

„Ach nun“ sagt Forner, „ja es geht,
„Jetzt wo das Ding nun einmal steht“
dann schaut er auf und seufzt im Schmerz
„Doch an der Alten hing mein Herz..“

Man trennt sich dann, es ruft die Pflicht
der Dicke hält den Plan ins Licht
dreht ihn nach Norden und nach Osten
die Liste hat achttausend Posten

Er spannt zwei Tiere vors Gefährt
lädt auf, was Alt und Jung begehrt
und bricht dann auf als froher Bote
der Gaben schickt durch Treuens Schlote

Der Kern der Stadt ist schnell vergessen
meist vier Etagen, viele Essen
der Nebel weg, der Himmel hell
das geht geschmeidig, flink und schnell

bald ist die Hälfte abgehakt
doch dann beginnt, was ihn so plagt
moderne Heiz- und Kühlanlagen
erschweren das Geschenkaustragen

die Rohre lang und eng wie nie
dagegen steht sein BMI
der viele Stress, das Spritzgebäck
das Schummeln bei Gesundheits-Check

und wie soll man Herrgottnochmal
durch Strohhalme aus Edelstahl
umhüllt von allerfeinsten Schiefern
die neuesten Spielkonsolen liefern

Er kämpft sich durch die Randbauzonen
in deren Einfamilienhäusern wohnen
auch Kinder aller Altersklassen
die sich auf seinen Dienst verlassen

Als er der Neuen Welt beschert
verliert er beinah sein Gefährt
denn scheinbar haben Archäologen
hier ein paar Gräben durchgezogen

Dem Schlitten sinkt die rechte Kufe
der Schlamm schluckt alle Rentierhufe
zum Glück für alle rettet dann
der Traktor vom Herrn Eisenmann

Dann durch die Dörfer über Land
er hat den Sechser angespannt
damit von Gospersgrün bis Eich
sich zieht sein Weihnachtshimmelreich

Zum Schluss trifft ihn des Ortes Tücke
sein Navi zeigt so manche Lücke
für das was diese Stadt von Welt
für eine Post-Adresse hält

„Beim Basin links“ ist da zu lesen
das ist nicht auffindbar gewesen
genauso wie „Am langen Teich“
ganz klar – der Treuener weiß das gleich

„Schräg nieber glei beim Deutschen Haus“
der Weihnachtsmann sieht ratlos aus
„Bin Ramich“ und „Am Treuener Hof“
das Festgespann, es sucht sich doof

Im Sack sind nur noch vier Präsente
doch bringt er´s nicht allein zu Ende
es drängt die Zeit, die Tiere scharren
sein Po wird langsam kalt im Karren

Doch ist die Sache erst getan
wenn alles zum Empfänger kam
der letzte Strauß, das letzte Päckchen
ins allerbest versteckte Eckchen

Daran bemisst sich sein Geschick
die Quote sitzt ihm im Genick
das kann sein Ehrgeiz nicht verkraften
hilft hier das Amt für Liegenschaften?

Gesagt getan – er sieht sein Heil
im mittleren Verwaltungsteil
und stapft hinab ins Herz der Stadt
dorthin, wo sie ihr Rathaus hat

Er nimmt´s im Sturm, sein Mantel weht
als er durch dessen Eingang geht
nur weiter denkt er, forsch voran
so bin ich doch der Weihnachtmann

Die erste Treppe springt er fast
in fröhlich motivierter Hast
die Euphorie reicht sechzig Stufen
dann hört er schon die Englein rufen

Das Treppenhaus nimmt ihm die Luft
er keucht in seiner Arbeitskluft
kommt zum Büro ganz hoch im Haus
und spuckt fast seine Lunge aus

Er schlüpft hinein und röchelt zart
tippt atemlos auf seinen Bart
worauf man hier zu wissen glaubt
Aha: Er will zum Oberhaupt!

Dann wird der Gast erstmal belehrt
der Name Barth sei längst verjährt
seit mehr als ein-zweitausend Tagen
darf sie den Namen Jedzig tragen

und im Büro an dieser Stelle
sei wohl auch nicht die beste Quelle
für sein Problem und seine Frage
so urteilt man nach Aktenlage

auch die Zentralverwaltung hier
ist nicht das richtige Revier
in solchen Fällen helfe immer
die Reise durch die Rathaus-Zimmer

so schickt man ihn durch das Gemäuer
durch die Verwaltung, durch die Steuer
durch alle Ämter, alle Kassen
kein Sachgebiet wird ausgelassen

zum Schluss sieht man auf allen Vieren
ihn durch die Gänge oszillieren
zwar löst das nicht sein Hauptproblem
doch lehrreich ist es ohne dem

er lernt, dass die Beschererei
wohl fliegendes Gewerbe sei
es mache Freude und sei teuer
da greife die Vergnügungssteuer

ganz wichtig sei, dass seine Herde
auch niemals den Verkehr gefährde
man bittet, dass der gute Alte
sich an die Parkverordnung halte

dass, wenn er einmal länger bleibe
er sich im Meldeamt einschreibe
und bei dem Pensum seiner Reisen
sei´n Dokumente vorzuweisen

und falls sein Laden expandiere
und die Logistik explodiere
dann hätte man, so das Versprechen
noch himmlische Gewerbeflächen

Am Ende kennt sich Santa Claus
in unserm Rathaus bestens aus
mit Gottes Hilfe und nach Stunden
hat er dann wieder rausgefunden

die vier Pakete schickt er leise
auf eine Selbstbedienungsreise
der Einfall macht ihn selbst ganz froh:
er schmuggelt sie ins Fundbüro

der Akku leer, die Augen matt
sie ziehen leise aus der Stadt
er schreibt – noch eh´ der Schlitten schneller
Achtung: Jetzt vier Windkraft-Propeller…!

PS:

Alle Gaben zugestellt
leicht gebissen, oft verbellt
manchmal gar nicht reingebeten
ein- zweimal sogar getreten
hat man ihn den alten Herrn
doch er macht es trotzdem gern

Weil es hier und überall
sicher nicht der Regelfall
dass man nur sich selber liebt
und wenn´s was zu holen gibt

Weil nur zählt was wir uns geben
wie wir miteinander leben
was wir miteinander teilen
das bedeuten diese Zeilen

Wir wünschen Euch ein frohes Fest
dass sich die Liebe teilen lässt
und ich weiß Gott sei Dank zum Glück
der Weihnachtsmann kommt gern zurück…

Viele liebe Grüße, happy Advent!

Christoph Krumbiegel

Weihnachten in Treuen (Gedicht zum Adventskalender 2015)

Wenn sich der Dezember neigt
und das Fest der Liebe steigt
zeigt sich um die stille Nacht
der Weihnachtsmann in voller Pracht

Und er landet auch in Treuen
damit sich die Kinder freuen
unermüdlich Jahr für Jahr
auch wenn´s früher besser war

Heute sind die Kinder wilder
und es gibt so viele Schilder
Umleitung und Parkverbot
manchmal hat der Dicke Not

Mit dem Schlitten samt Gehänge
denn das Ding hat Überlänge
und er sucht im Sinke-Fluge
in den Gassen eine Fuge

Einen Platz der groß und eben
um den Flug zu überleben
doch am Markt steht eine Fichte
das macht den Versuch zunichte

Also kommt das Festgespann
geradewegs am Postamt an
große Fenster und viel Licht
unbemerkt bleibt er hier nicht

Eins der Tiere hebt die Nase
zeigt aufs Schild der Königstraße
und an deren hohem Ende
reicht ein Hausherr ihm die Hände

Herr Forner schreitet um den Schlitten
es wär historisch unbestritten
in Statik und auch im Konstrukt
sei das hier ein Weltprodukt

Ein Unikat, ein Meilenstein
ihm fall´n noch viel mehr Worte ein
bis er fallabschließend klärt
dass das Fahrzeug schützenswert
und im Original zu halten
das beeindruckt unsern Alten

Der verspricht das Teil zu ehren
nach der Arbeit auszukehren
einzuwachsen und zu kitten
und dann startet er im Schlitten

Doch nach ein zwei Rentierlängen
bleiben seine Tiere hängen
alles wirkt verheißungsvoll
Poster vom Malé-Atoll

Fremde Länder und Offerten
Südsee und Hibiskus-Gärten
weder Peitsche hilft noch Pfiff
alle starr´n aufs Lächel-Schiff

Und dann wird er warm empfangen
ob er nicht ein Grundverlangen
nach des Südens Hitze ahne
fragt die Sommersonnen-Dame

Wahrlich scheint das Land der Finnen
gut um allem zu entrinnen
was uns in Europa stresst
doch man friert dort wie die Pest

Sicher sei der Mann mit Schlitten
auch im Süden wohlgelitten
ob er angesichts der Preise
lieber weiter selbst anreise

Sie rechnet ihm zwei Angebote
schüttelt jede Rentierpfote
winkt und weiß im Herzen fest
dass er bald sich sehen lässt
denn des Nordens kalten Graus
hält man nicht unendlich aus

Weiter geht´s den Berg hinab
schneller wird der Tiere Trab
Sportgeräte, Bücherei
alles fliegt an ihm vorbei

Wolle, Sportschuh, Hornhautfeile
werden Opfer seiner Eile
Briefumschlag und Schweineohr
nimmt er sich für später vor

Doch gleich vor dem nächsten Laden
straffen sich der Tiere Waden
und sie blicken voller Neid
auf ein junges Ding im Kleid

Dessen Nägel silbern funkeln
und man hört die Herde munkeln
ob die Dame hier vielleicht
auch mal ihre Hufe streicht

Doch der Weihnachtsmann muss weiter
weil der Christmas-Holding-Leiter
sein Gebiet erweitert hat
manchmal hat´s der Alte satt

Nun, indes – er kommt nicht weit
denn von gegenüber schreit
ruft und winkt ein Fräuleinwunder
und stürmt eine Treppe runter

Das sei toll und wunderschön
dass sie sich nun endlich sehn
und eh´s Santa Claus kapiert
hat sie alles dekoriert

Schlitten, Bart und die Geschirre
manche Tiere kichern irre
als Kristin ganz ungeniert
die Geweihe umlackiert

Der Weihnachtsmann ist leicht verdutzt
weil alles plötzlich rausgeputzt
was unberührt fast tausend Jahre
zum Schluss toupiert sie seine Haare

Die Typverwandlung kostet Kräfte
nach Inventur der Körpersäfte
bekommt der Held ein bisschen Durst
und Appetit auf eine Wurst

auf dem Weg zum Fleischverkauf
schlägt er noch beim Trödler auf
wo er sich alles zeigen lässt
und dabei stellt der Alte fest

so manches was er einst mal brachte
als er im Ort den Ruprecht machte
liegt nun bei Steffen im Regal
wenn´s dumm kommt bringt er´s noch einmal

Denkt er sich und beißt ganz wacker
in die frischgekaufte Knacker
und betrachtet sein Gefährt
welches nicht ganz unversehrt

Plötzlich meint Herr Winefeld
der sich schnell dazugestellt
da der Schlitten eh schon roste
was denn eins der Tiere koste

Die er stets schon gut gefunden
und dafür gäb´s sicher Kunden
dass verunsichert den Alten
er kann kaum sein Brötchen halten

höflich schluckt er schnell hinunter
sein Gespann wird plötzlich munter
und versucht vor Angst beklommen
dem Herrn Fleischer zu entkommen

um die Ecke links nach Osten
streift der Schlitten zwei drei Pfosten
und es gab auch einen Schaden
im Vorgarten vom Blumenladen

wie gut dass er es kommen ahnte
als sich die Tier-Haftpflicht anbahnte
denn man kann jeden Fall genießen
mit frischgezeichneten Policen

Beim nächsten Stopp am Media-Eck
bekommt er einen kleinen Schreck
denn die drei Herren stehen hier
in der Linken je ein Bier

Sie erklär´n – sich daran labend
es sei nur für den Feierabend
worauf Santa Claus vertieft
seinen Chronometer prüft

Unterdessen stellt man Fragen
ob der Sack denn schwer zu tragen
wieviel schafft der Schlitten Spitze
hat er sportbetonte Sitze

Sei der Mann – fragt man zuletzt
denn zuhaus auch gut vernetzt
kriegt er Wunschpost schon geschickt
auf die man nur doppelt klickt

Führe er aus Nordens Frost
Ferngespräche mit Fernost
und man rechnet: für ihn lohne
längst sich eine Zustell-Drohne

als das Leittier nun schon scharrte
reicht man die Visitenkarte
und empfiehlt sich wohl-geschäftig
den Erfolg begießt man kräftig

Und es hat, bemerkt er später
einer dieser Missetäter
seiner Herde Bier gegeben
um den Abend zu beleben

Und fortan wird es rasant
weil den Tieren unbekannt
was das Bier mit ihnen macht
wird es eine wilde Nacht

Das Gespann durchpflügt die Gassen
ohne richtig aufzupassen
manch ein Rentier testet Brillen
andere erbeuten Pillen

Schuhgeschäft und Drogenhaus
sehn recht umgekrempelt aus
als der Schlitten weiter zieht
und man die Bescherung sieht

Auch das liebe Vaterland
wird gleich mehrfach überrannt
weil der Zapfhahn keine Hürde
für die Herde ohne Würde

Irgendwann wird alles schwer
und da muss ein Schlafplatz her
überm Brunnen unterm Baum
es ist friedlich anzuschaun
als am nächsten Morgen hier
tief noch schlummern Herr und Tier

PS:

Alle Gaben zugestellt
leicht gebissen, oft verbellt
manchmal gar nicht reingebeten
ein- zweimal sogar getreten
hat man ihn den alten Herrn
doch er macht es trotzdem gern

Weil es hier und überall
sicher nicht der Regelfall
dass man nur sich selber liebt
und wenn´s was zu holen gibt

Weil nur zählt was wir uns geben
wie wir miteinander leben
was wir miteinander teilen
das bedeuten diese Zeilen

Wir wünschen Euch ein frohes Fest
dass sich die Liebe teilen lässt
und ich weiß Gott sei Dank zum Glück
der Weihnachtsmann kommt gern zurück…

Viele liebe Grüße, happy Advent!

Christoph Krumbiegel

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